
Im Interview mit Sebastian Herkner
Im Geiste Japans: Designer Sebastian Herkner über die »Faszination Badezimmer«

Im Bad geht es um Fühlen, Riechen, um den Klang des Wassers.

Welche aktuellen Trends beobachten Sie im Bereich Badezimmerdesign?
Sebastian Herkner: Wir sind ja alle aufgewachsen im Badezimmer von unseren Eltern und Großeltern, da wurde viel gefliest, in grünen, hellblauen oder rosafarbenen Tönen. Bei den Großeltern war die Toilette zum Teil bezogen mit einem Kunstfell. Das Badezimmer war pragmatisch und funktional. Bei uns zuhause sogar fensterlos, mittendrin im Haus, mit Lüftung. Und dann schaut man sich heute Badezimmer an und merkt, da hat sich einiges getan. Es gibt eine Vielfalt an Materialien und Oberflächen, neben Keramik auch Glas, Marmor oder Badewannenverkleidungen aus Holz etwa. Das Badezimmer hat sich hin zu mehr Emotion und Wohlfühlen entwickelt.

Wie stark beschäftigen Sie sich in Ihrer Arbeit als Designer mit dem Thema Badezimmer?
Sebastian Herkner: Ich arbeite mit ein paar Herstellern zum Thema Bad zusammen wie mit Decor Walther und eben Duravit. Für die Arbeit mit Duravit hat mir natürlich geholfen, dass ich vorher schon Erfahrungen mit dem Material Keramik durch meine Designs für Rosenthal sammeln konnte. Duravit hat hier ein großes Know-how und es ist toll, mit solch einem Unternehmen zusammenarbeiten, das weltweit agiert. Die Linie Zencha, die ich für Duravit entworfen habe – Waschbecken, Badewanne und Möbel –, beinhaltet handwerklich anspruchsvolle Objekte, die daher auch in den Artisan Lines vertreten ist.

Sie reisen ja viel und kommen in der Welt herum. Welche Eindrücke haben Sie von den Badezimmerkulturen in verschiedenen Ländern gewonnen?
Sebastian Herkner: In Tokio waren wir im Hoshinoya Hotel in der Nähe von Tokio Station zu Gast, das im Zeichen des Zen betrieben wird. In der obersten Etage des Hochhauses befindet sich ein Onsen. In diesem mit heißen Quellen gespeisten typisch japanischen Thermalbad gibt es Geschlechtertrennung: Man entkleidet sich bis auf einen Lendenschutz, kommt in einen Raum mit kleinen Holzschemeln, auf denen man Platz nimmt. Die Materialien sind erlesen, die Schöpfkelle ist aus Bambus, die Wandverkleidung aus schwarzem Naturstein. Ich habe nachgeahmt, was meine Nachbarn gemacht haben: Mich mit dem Schwamm abgetupft, mich mit Wasser begossen. Diese Waschung ist ein Ritual. Und dann taucht man in dieses grandiose große Wasserbecken ein, von wo aus man den Sternenhimmel über Tokio sehen konnte. In Japan haben wir auch Tee-Zeremonien beigewohnt. Alleine das Teekochen, Aufbrühen, Ziehenlassen … ein kleiner Schluck davon ist ein besonderer Moment. Dieses Zeremonielle trägt zu einer kompletten Entschleunigung bei.
Lassen Sie uns über Zencha reden. Was genau hat Sie dazu inspiriert?
Sebastian Herkner: Das Zeremonielle, das Genießen, das Runterkommen, das Emotionale, das Sensorische, die Gestaltung, das Auge fürs Detail – das war der Starting Point für die Linie Zencha für Duravit. Durch die Erfahrungen in Japan habe ich bemerkt, dass ich bislang immer nur schnell ins Bad rein und wieder raus bin. Letztendlich geht es im Bad um die sinnliche Erfahrung. Um die Haptik, das echte Fühlen, was wir im Alltag durch die digitalen Welten immer mehr verlieren. Das war eine große Inspiration für mich und mein Team. Wir haben mehrere Wochen daran gearbeitet, die richtige Silhouette, Kurve zu finden mit dieser feinen Lippe oben, die auch wieder eine Geste ist, als würde man eine Teeschale in die Hand nehmen wollen.



Sie haben ja neben Waschbecken und Badewannen auch Möbel für Zencha entworfen …
Sebastian Herkner: Mir ist es wichtig, echte Materialien zu nutzen, also Holz, Keramik, Glas. In diesem Fall auch ein strukturiertes Glas für die Möbel, das mit Licht und Schatten spielt, mit Reflexen. Weil diese Echtheit, denke ich, zu dieser Harmonie der gesamten Schöpfung von dieser Linie gehört. Und ich denke, Zencha kann jeder für sich interpretieren. Ich als Designer gebe natürlich eine Bühne, aber wie man letztendlich darauf tanzt, das ist jedem selbst überlassen.



Was würden Sie Menschen raten, wenn sie ein Bad planen?
Sebastian Herkner: Ich finde, dass Großzügigkeit sehr wichtig ist. Eine Walk-in Dusche ist toll, wenn sie groß ausfällt. Oder eine Regendusche, aus der das Wasser sanft herunter plätschert … Und man braucht anständige Ablagen. Alles muss durchdacht gestaltet sein. Wenn der Handtuchhaken fehlt, dann hängt man Bademäntel und Handtücher über die Tür oder über den Stuhl, was nicht vorkommen sollte. Im Bad kann auch ein schöner Stuhl oder ein Sessel stehen. Und es dürfen auch Textilien vorkommen, um das Wohnliche zu betonen.










